Archivreport: Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien

November 16th, 2011 | von Andreas C. Hofmann |

http://www.oesta.gv.at/site/4980/default.aspx

Das Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv verwahrt neben Schriftgut zur Geschichte des Hauses Habsburg und zur österreichischen Außenpolitik und Diplomatie insbesondere Quellen zur Verwaltung und Rechtssprechung im Heiligen Römischen Reich. Wie bei allen anderen Archiven empfihelt es sich, den Besuch unter genauer Nennung des Forschungsvorhabens zwei Wochen zuvor anzukündigen. Für die Archivnutzung ist eine Gebühr zu entrichten, welche sich nach der Dauer des Archivbesuchs richtet (5-Tages-Karte € 10.-; 20-Tages-Karte € 21.-; Jahreskarte € 42.-). Das Archiv selbst befindet sich zusammen mit der Generaldirektion an der Rückseite den Bundeskanzleramtes am Minoritenplatz und ist über die U3 Simmering / Ottakring an der Haltestelle Herrengasse zu erreichen.

Um eines vorwegzunehmen: Auch die äußerst kompetente und zuvorkommende Beratung durch das Archivpersonal, welches im Vorfeld die einschlägigen Akten identifizierte kann die Begrenzung der gleichzeitig nutzbaren Archiveinheiten auf drei Kartons nur schwerlich ausgleichen! Denn auch wenn beim betreffenden Archivbesuch eine hervorragende Vorauswahl der Akten durch den Referenten getroffen wurde, ist eine Sichtung sämtlicher bestellter Akten nach der Relevanz für die Fragestellung des Forschers nicht zu leisten. So treffen im HHStA auch unterschiedliche Extreme aufeinander: Auf der einen Seite kann es für die effiziente Handhabung eines Archivbesuchs eben ein Genickbruch sein, nur drei Kartons gleichzeitig nutzen zu dürfen (dies bedeutet auch, erst nach Abgabe bearbeiteter Kartons wieder neue bestellen zu dürfen). Auf der anderen Seite kann das HHStA wiederum insofern als Vorbild für anderen Archive dienen, als in der Regel stets ein Fachreferent im Lesesaal in einem per Glaswand abgetrennten Beratungsbereich anwesend ist. In diesem eher einem Aquarium anmutendem Kasten sind auch die Repertorien untergebracht; ein eigenes Repertorienzimmer muss man im HHStA somit nicht ertragen.

Die Kosten für Reproduktionen liegen mit A 4 (€ 0,40) und A 3 (€ 0,60) im unteren Durchschnittsbereich. Mit einzukalkulieren ist, dass die Vorlagen 1:1 kopiert werden und eine Verkleinerung auf A4 nicht vorgenommen wird. Daher sind beispielsweise für Akten aus dem frühen 19. Jahrhundert in der Regel A3-Kopien einzukalkulieren. Als Unterkunft ist das Hotel Atlantis nähe des Westbahnhofs nur zu empfehlen; hierbei handelt es sich um ein klassisches Hotel für Geschäftsreisende. Auch wenn das Wiener West-“Bahnhofsviertel” sich nur bedingt für einen entspannten Abendspaziergang eignet, konnte das Hotel über einen Expedia-Rabatt mit 70 € / Tag einschließlich umfangreichem Frühstück zu erschwinglichen Preisen finanziert werden. Summa Summarum ein gut aufgestelltes Archiv, welches insbesondere wegen seiner für die Erforschung Deutscher und Österreichischer Geschichte unerlässlichen Provenienzen einige Restriktionen (Öffnungszeiten, Bestellbeschränkungen) überdenken sollte.

Zeitpunkt des Archivbesuchs
Oktober 2010

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  1. 3 Responses to “Archivreport: Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien”

  2. By Thomas Just on Nov 18, 2011 | Reply

    Sehr geehrter Herr Hofmann,
    ich beziehe mich hier auf den Blogeintrag von Klaus Graf (http://archiv.twoday.net/stories/49616441/#49616681) durch den ich dankenswerter Weise auf ihren Eintrag hier aufmerksam wurde. Es freut mich, dass Sie die Fachkompetenz unserer Referenten schätzen, ich kann auch die Problematik der drei Kartons verstehen (es sind ja nicht drei Stücke…). Als Abteilung versuchen wir dies kulant zu lösen, wir diskutieren aber auch andere Lösungen. Die drei Kartons sind übrigens nicht HHStA Standard, sondern ÖStA Standard. Und wie sie schon bemerkt haben, der Lesesaal und das “Aquarium” sind in einem denkmalgeschütztem Gebäude eben immer Kompromisse, die auch auf andere Abläufe Auswirkungen haben. Kurze Anmerkung noch zur Generaldirektion: die befindet sich nicht am Minoritenplatz, sondern in der Nottendorfergasse 2, 1030 Wien.

  3. By Andreas C. Hofmann on Nov 19, 2011 | Reply

    Sehr geehrter Herr Just,
    es freut mich sehr, dass Sie über Herrn Grafs Blog auf meinen Archivreport aufmerksam geworden sind. Dass das HHStA die Problematik der drei Kartons kulant zu lösen versucht, ist sehr zu begrüßen. Vielleicht wäre darüber hinaus eine Lösung denkbar, wonach in begründeten Ausnahmen (worunter auch der in der Regel enge Zeitplan auswärtiger Forscher fallen könnte), das Kontingent offiziell erweitert werden kann. Dies würde nicht zuletzt extra angereisten Wissenschaftlern mehr Planungssicherheit bei Ihrem Archivbesuch bieten. Besten Dank für den Hinweis hinsichtlich der Generaldirektion; hier ist mir ein Fehler unterlaufen.

  4. By Thomas Just on Feb 22, 2012 | Reply

    Sehr geehrter Herr Hofmann,
    als kurzer Nachtrag zur obigen Diskussion: ab März gibt’s im HHStA für jeden Besucher 6 Kartons/6 Bände, Handschriften/10 Urkunden pro Tag, wir verdoppeln also die Menge der bestellbaren Einheiten. Dazu werden Bestellwünsche von neu angekommenen Besuchern sofort erfüllt, wobei es uns natürlich angenehmer, weil planbarer, ist, wenn man vorbestellt.

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