Link-Hint Nr. 1/2012: demokratiegeschichte.eu

February 29th, 2012 | von Andreas C. Hofmann |

http://www.demokratiegeschichte.eu

Wer bei diesem Portal seinem Namen nach eine Darstellung der Geschichte der Demokratie von der Antike bis zu Gegenwart erwartet, muss entäuscht sein. Das Portal setzt mit der Französischen Revolution ein, behandelt schwerpunktmäßig das Hambacher Fest sowie die Revolution von 1848 und reicht bis in die Gegenwart. NB: Auch das Portal regionalgeschichte.net, welches ebenfalls aus der Schmiede des Instituts für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V. stammt, schmückt sich mit einem Titel, der mehr verspricht, als das Portal enthält (http://www.einsichten-online.de/2011/04/1197). Handelt es sich somit um systematishe Augenwischerei? Müssen die Portale des Mainzer Instituts inhaltliche Defizite mit knackigen Titeln ausgleichen?

Das Portal ist in die Abschnitte Vorgeschichte, Hambacher Fest, Revolution von 1848/49,  Grundrechte – Parlamente – Parteien sowie Pressefreiheit gegliedert und nimmt dadurch bereits seine Schwerpunktsetzung vorweg. Während die ersten drei Abschnitte eine überwiegend chronologische Gliederung verfolgen und mit der “gescheiterten” Revolution enden, reichen die letzten beiden, thematisch gegliederten Abschnitte bis in die Gegenwart. Besonders reizvoll ist der in der Navigation angebotene Zeitstrahl, welcher es in Jahrzehnt-Schritten ermöglicht, die Materialien des Portals einzeln abzurufen. Diese bestehen aus einzelnen – teilweise zu prägnanten – Einführungstexten (vgl. e.g. http://demokratiegeschichte.eu/index.php?id=88), Quellenausschnitten sowie zahlreichen Digitalisaten zeitgenössischer Bilder und Quellen. Leider ist die Qualität der Digitalisate nach unten aber auch nach oben sehr heterogen (e.g. http://demokratiegeschichte.eu/fileadmin/user_upload/revolution_1848_49/CMV.jpg); Angaben zu den Quellen der Abbildungen vermisst man gänzlich.

Äußerst hilfreich sind die gesammelt angebotenen Biographien (http:// demokratiegeschichte.eu/index.php?id=17) sowie die bibliographischen Listen (http://demokratiegeschichte.eu/index.php?id=189). Die Funktion des Ortsregisters, welches nur eine Auflistung von Ortsnamen ohne – zumindest auf dem System des Rezensenten – funktionierende Verlinkung erschließt sich indes nicht. Auch den Punkt Burgengeschichte (http://demokratiegeschichte.eu/index.php?id=19) würde man eher auf einem Portal zum Hambacher Fest, als zur Demokratiegeschichte vermuten. Und hier liegt auch der konzeptionelle Fehler des Angebots: Ein landesgeschichtlich angelegtes Portal, welches die Geschichte der Demokratie am Beispiel Hambach und Frankfurt erörtern will, muss sich wegen eines ehrgeizig gewählten Titels in eine erweiterte Herangehensweise pressen lassen.

Trotz dieser konzeptionellen Mängel ist der Mehrwert des Portals für die interessierte Öffentlichkeit und den Einstieg in das Thema (i.e. Hambacher Fest und Revolution von 1848/49) nicht zu verachten. Wer allerdings eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit der Geschichte unserer Demokratie erwartet, wird enttäuscht bleiben.

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